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ENISA Threat Landscape 2026: Neue Trends in der Cybersicherheit

Die Agentur der Europäischen Union für Cybersicherheit (ENISA) hat ihren neuen Threat Landscape 2026 veröffentlicht. Der Bericht analysiert die wichtigsten Bedrohungen und Trends, die die aktuelle Cybersicherheitslandschaft prägen.

Der Bericht zeigt eine wichtige Entwicklung: Organisationen sind zunehmend auf digitale Infrastrukturen, Cloud-Dienste, Technologieanbieter, Anwendungen von Drittanbietern und vernetzte Systeme angewiesen. Diese zunehmende Vernetzung und Abhängigkeit vergrößert gleichzeitig die Angriffsfläche und schafft zusätzliche Möglichkeiten für Cyberkriminelle und andere böswillige Akteure.

Zentrale Erkenntnisse des Berichts

Zu den von ENISA hervorgehobenen Erkenntnissen gehören:

  • 57 % der analysierten Vorfälle waren ideologisch motiviert.
  • Nahezu 30 % der Vorfälle waren finanziell motiviert.
  • Die öffentliche Verwaltung blieb der am stärksten angegriffene Sektor und machte 32 % der analysierten Fälle aus.
  • Phishing und die Ausnutzung von Schwachstellen gehören weiterhin zu den wichtigsten von Angreifern genutzten Einstiegspunkten.
  • Cyberkriminalität machte 36 % der analysierten Ereignisse aus.
  • Hacktivismus führte zu 4.709 Meldungen bzw. Behauptungen von Angriffen gegen EU-Mitgliedstaaten; mehr als 89 % davon standen im Zusammenhang mit DDoS-Angriffen.
  • Bei Operationen, die staatlich verbundenen Intrusionsgruppen zugeschrieben wurden, machten Intrusionsoperationen 87 % aus, gefolgt von Phishing-Kampagnen mit 12 %.
  • Künstliche Intelligenz spielt zunehmend eine Rolle bei Operationen zur ausländischen Informationsmanipulation und Einflussnahme (FIMI).

Eine stetig wachsende Angriffsfläche

Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Berichts ist, dass sich technologische Risiken nicht mehr ausschließlich auf Systeme beschränken, die eine Organisation direkt kontrolliert.

Ein Unternehmen kann über gut geschützte interne Systeme verfügen und dennoch über einen Dienstleister, eine Drittanbieteranwendung, ein kompromittiertes Benutzerkonto, eine ungepatchte Schwachstelle oder eine technologische Abhängigkeit gefährdet sein.

Damit wird das Management der Angriffsfläche (Attack Surface Management) zu einem grundlegenden Bestandteil einer modernen Cybersicherheitsstrategie.

Die Frage lautet daher nicht mehr nur:

Welche Systeme haben wir und wie schützen wir sie?

Wir sollten uns auch fragen:

Von welchen Systemen und Dienstleistern sind wir abhängig? Welche Informationen verarbeiten sie? Was würde passieren, wenn einer dieser Anbieter kompromittiert würde?

Phishing bleibt eine wichtige Herausforderung

Trotz immer fortschrittlicherer Sicherheitstechnologien bleibt der menschliche Faktor von großer Bedeutung.

Phishing-Angriffe zielen darauf ab, über Social-Engineering-Techniken Zugangsdaten, sensible Informationen oder einen ersten Zugang zu einer Organisation zu erlangen.

Aus diesem Grund kann sich Sicherheit nicht ausschließlich auf technische Werkzeuge stützen. Die Kombination aus Schulungen, Sicherheitsbewusstsein, Multi-Faktor-Authentifizierung, Zugriffskontrollen, Überwachung und effektiven Reaktionsmöglichkeiten auf Sicherheitsvorfälle ist entscheidend.

Schwachstellen: Die Bedeutung der Reduzierung der Angriffsfläche

Ein weiterer von ENISA hervorgehobener Aspekt ist die Ausnutzung von Schwachstellen.

Eine bekannte Schwachstelle kann zu einem Einfallstor werden, wenn eine Organisation nicht über geeignete Mechanismen verfügt, um ihre Systeme und Anlagen zu identifizieren, deren Gefährdung zu bewerten und notwendige Sicherheitsupdates rechtzeitig einzuspielen.

Ein wirksames Schwachstellenmanagement sollte daher mit etwas beginnen, das einfach erscheint, aber grundlegend ist:

zu wissen, welche Assets vorhanden sind, wo sie sich befinden und welche Software darauf ausgeführt wird.

Ohne diese Transparenz ist es wesentlich schwieriger, Risiken richtig zu priorisieren.

DDoS und Hacktivismus

Der Bericht hebt auch das hohe Aktivitätsniveau im Zusammenhang mit Hacktivismus hervor.

DDoS-Angriffe (Distributed Denial of Service) zielen hauptsächlich darauf ab, die Verfügbarkeit eines Dienstes durch eine große Anzahl von Anfragen oder durch große Mengen an Datenverkehr zu beeinträchtigen.

Ein DDoS-Angriff bedeutet zwar nicht zwangsläufig, dass ein Angreifer Zugriff auf interne Systeme erlangt hat. Dennoch können solche Angriffe zu Dienstunterbrechungen führen, den Ruf einer Organisation beeinträchtigen und erhebliche operative Kosten verursachen.

Aus diesem Grund sollte die Verfügbarkeit neben Vertraulichkeit und Integrität ein wesentlicher Bestandteil der gesamten Sicherheitsstrategie sein.

Künstliche Intelligenz eröffnet eine neue Dimension

Künstliche Intelligenz verändert nahezu alle Bereiche der Technologie – und die Cybersicherheit bildet dabei keine Ausnahme.

Neben dem Einsatz zur Verbesserung bestimmter defensiver Fähigkeiten weist ENISA auch auf den Einsatz von KI bei Operationen zur Foreign Information Manipulation and Interference (FIMI) hin.

Dadurch entsteht ein Szenario, in dem bestimmte Kampagnen schneller, skalierbarer und möglicherweise ausgefeilter durchgeführt werden können.

Für Organisationen bedeutet dies, dass Sicherheitsstrategien nicht nur klassische Angriffe auf IT-Systeme berücksichtigen sollten, sondern auch Risiken im Zusammenhang mit Informationen, digitaler Identität und Vertrauen.

Was sollten Organisationen tun?

Die von ENISA beschriebene Bedrohungslage unterstreicht die Notwendigkeit eines risikobasierten Ansatzes für die Cybersicherheit.

Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:

  1. Ein aktuelles Inventar aller Assets und Systeme führen.
  2. Kritische Abhängigkeiten und Technologieanbieter identifizieren.
  3. Schwachstellen verwalten und nach ihrer Bedeutung priorisieren.
  4. Den Schutz vor Phishing und Social Engineering stärken.
  5. Multi-Faktor-Authentifizierung einsetzen und das Prinzip der geringsten Berechtigung anwenden.
  6. Systeme überwachen, um ungewöhnliches Verhalten frühzeitig zu erkennen.
  7. Pläne für die Reaktion auf Sicherheitsvorfälle und die Wiederherstellung bereitstellen.
  8. Regelmäßige Backups durchführen und die Wiederherstellung regelmäßig testen.
  9. Risiken im Zusammenhang mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz bewerten.
  10. Mitarbeiter kontinuierlich schulen und für Cybersicherheit sensibilisieren.

Fazit

Der Threat Landscape 2026 von ENISA zeigt, dass sich die Bedrohungslandschaft im gleichen Maße weiterentwickelt wie unsere Abhängigkeit von Technologie.

Cybersicherheit besteht längst nicht mehr nur darin, ein Antivirenprogramm zu installieren, eine Firewall zu konfigurieren oder Systeme aktuell zu halten.

Die entscheidende Frage ist vielmehr, welche Assets vorhanden sind, von welchen Systemen und Dienstleistern wir abhängig sind, welche Bedrohungen uns betreffen können und wie wir reagieren würden, wenn ein Sicherheitsvorfall eintritt.

Cybersicherheit sollte als kontinuierlicher Prozess verstanden werden:

Prävention → Erkennung → Reaktion → Wiederherstellung → kontinuierliche Verbesserung

Für jede Organisation kann die Kenntnis der aktuellen Bedrohungslage ein wichtiger erster Schritt sein, um die eigene Sicherheitsstrategie zu überprüfen und festzustellen, wo die größten tatsächlichen Risiken liegen.

Offizielle Quelle und Dokumentation

Dieser Artikel basiert auf dem ENISA Threat Landscape 2026, das am 22. September 2026 von der Agentur der Europäischen Union für Cybersicherheit (ENISA) veröffentlicht wurde.

Der Bericht analysiert die Entwicklung der Cybersicherheitsbedrohungen in der Europäischen Union sowie die im Jahr 2025 beobachteten Vorfälle.

👉 Zum offiziellen Bericht: ENISA Threat Landscape 2026

👉 ENISA Threat Landscape: ENISA Threat Landscape

Die in diesem Artikel genannten Zahlen und Erkenntnisse basieren auf dem von ENISA veröffentlichten Bericht. Die Erläuterungen und Empfehlungen in diesem Artikel stellen eine informative Zusammenfassung und Einordnung der von ENISA veröffentlichten Inhalte dar.